Digital Transformation ein Paradigmenwechsel ?

Heute bin ich über einen Text gestolpert den ich vor vier Jahren geschrieben habe und leider musste ich feststellen, dass dieser noch immer Gültigkeit hat und daher ganz hervorragend in die Reihe zu Change Management, Unternehmen und Digital Learning passt.

Um den Paradigmenwechsel des Lernens zu beschreiben und welche Gesellschaftlichen Zusammenhänge sich daraus ergeben, sollte aus zwei Richtungen dieser Paradigmenwechsel betrachtet werden zum einen aus Sicht der Soziologie zum anderen aus der Didaktik/Pädagogik und Lernpsychologie.

Definition nach Bleicher

„Unter einem Paradigma verstehen wir (in der wissenschaftlichen Auseinander-setzung)ein Denkmuster, das grundlegende Probleme und Methoden (weiterer Bereiche) eines Faches definiert und das Weltbild einer Zeit prägt.“

Einen solchen Paradigmenwechsel kann man seit Anfang der 90er Jahre im Bereich der Weiterbildung beobachten und anhand von Lernpsycholgischen Erkenntnissen belegen.

Daniell Bell läutet mit seinem Soziologischen Diskurs über die Wissensgesellschaft eine Diskussion ein die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Was ist Wissen und beinhaltet es tatsächlich eine Gesellschaftliche Wertschöpfung? Er stellt die zentrale Stellung wissenschaftlichen Wissens und die Wissenschaftsabhängigkeit postindustrieller Gesellschaften hervor.

Immer wiederkehrendes Motiv ist dabei die Aufwertung des einzelnen Subjektes: als Aneigner von Wissen und als Wissensverwerter. Inzwischen bilden Konzepte wie „Lebenslanges Lernen“ und „Selbstgesteuertes Lernen“ das zentrale Grundgerüst bei der Thematisierung von „Wissensgesellschaften“. Insofern sind Bildung und Lernen die beiden Themen, die vielleicht am maßgeblichsten für die Neukonturierung des Verständnisses von „Wissensgesellschaften“ beigetragen haben.

Ist Wissen tatsächlich zu einem weiteren Produktionsfaktor – neben Arbeit, Kapital und Boden – geworden oder sollte man nicht eher der Warnung von Hermann Kocyba folgen, wonach „Wissen“ nur in der konkreten Nutzung, das heißt innerhalb seiner sozialen Inwertsetzung, sinnvoll gefasst werden kann? Denn, so Kocyba, „isoliert betrachtet ist „Wissen“ keineswegs wertschöpfend. „Wissen“, das nicht mit Arbeit und Kapital kombiniert wird, ist kein Wertschöpfungsfaktor.“ (Kocyba 1999: 109)

Inzwischen stehen im Mittelpunkt der Diskussion solche Fragen, wie es gelingen kann, implizites in explizites Wissen zu transformieren und welche Bedeutung unterschiedliche Formen des Wissens in verschiedenen Branchen, Beschäftigtengruppen und Arbeitskontexten haben (Böhle 2001).

Der Paradigmenwechsel durch die didaktische Veränderung

  • Lernprogramm sind hierbei keine Instrumente zur Wissensvermittlung, sondern ein unterstützendes Instrument des individuellen nachhaltigen Lernens.
  • Social Learning bietet hierbei eine weitere Ergänzung, die nachhaltiges und auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehende Unterstützung anbietet. Da hier eine Plattform bereitgestellt wird die Lerner zu Lehrenden machen kann, mit Tutorieller Unterstützung.
  • Durch das bereitstellen von Wiki Funktionen wird Wissen gebündelt und durch den kontinuierliche Transfer von neuen Erkenntnissen eines Fachgebietes zu gelebtem Wissen.

Andererseits wird der Wandel zur Wissensgesellschaft als ungemein rasant, als unumkehrbar und gleichzeitig als Epochenbruch beschrieben: „Wenn nicht alles trügt, ist der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft der dritte gewaltige Paradigmenwechsel in der Geschichte der Menschheit und es fällt schwer, sich einen weiteren von ähnlichen Dimensionen vorzustellen.“ (Miegel 2001: 203)

Dies leitet dazu über Methoden des Lernens zu betrachten. Alfred North Whitehead beschreibt als erster das träge Wissen welches es zwingend zu vermeiden gilt. Träges Wissen ein Begriff der Kognitions- und Lernpsychologie beschreibt damit wissen, welches theoretisch verfügbar ist, aber praktisch nicht zur Anwendung kommt.

Durch diese Erkenntnis das es gravierende Unterschiede von Wissen gibt, setzte ein umdenken und ein verändern des Methodischen Lernens und Lehrens mit der Verbreitung von Computern und Internet ein. Ging man zu Beginn der  90er Jahre noch davon aus das der Besitz eines Computers und eines Internetzuganges Wissen generiert, ist man heute zu der Erkenntnis gekommen das nicht alleine die Verfügbarkeit von Informationen Wissen bedeutet. Diese Informationen waren nicht verfügbar im Sinne von abrufbarem Wissen.

Durch diese Erkenntnis stellte die Kognitionspsycholgie und Neurowissenschaft den Nürnberger Trichter gänzlich infrage. Um Wissen zu nutzbarem Wissen zu machen ist es notwendig das der Trainer/ Lehrer den Teilnehmer dazu anleitet selbst Wissen zu konstruieren. Die Lernziele sind hierbei immer noch klar definiert und auch das zu erwerbende Wissen. Durch aktives umsetzten in Simulationen, Planspielen und Testumgebungen führt dazu, dass Informationen durch Anwendung in aktives Wissen transformiert werden und somit nachhaltig gelebt werden können. Die in den 90 er Jahren angenomme Wissensvermittlung durch Lernsoftware stellt hierbei keinen Paradigmenwechsel dar, ebenso wenig wie die Umstellung der Schiefertafel zum Schreibheft kein Paradigmenwechsel war. Der Paradigmenwechsel des Lernens und Lehrens liegt vielmehr in der Unterstützung durch Lernsoftware die die oben Beschriebenen Testumgebungen bereitstellt. Die Grundlegende Veränderung der Lernvermittlung weg vom ausschließlich gesprochenen Wort zum „Learning by Doing“ hingegen ist ein Paradigmenwechsel, der langfristige Auswirkungen hat nicht nur in Hinblick auf den Lerner selbst, sondern auch gesellschaftliche. Wenn Wissen aktiv gelebt wird und die Vermeidung von trägem Wissen so vermieden wird, gelingt Wertschöpfung und Weiterbildung gewinnt noch mehr an Notwendigkeit und wird zu einem immer größeren Machtinstrument.

Abschließend lässt sich Zusammenfassen, das der Schritt von einem Paradigma zu sprechen ein großer ist, aber in Bezug auf Lehren und Lernen ein solches Paradigma heute nachweislich gegeben ist. Auch wenn Ansätze der Methode bereits bei Sokrates und Platon gegeben waren, nämlich das der Lehrende den Lerner durch gezieltes Fragen zu einer eigenen Lösung führt.

 

Literatur

Böhle, F., 2001: Was hat Zugang zu Bildungsprozessen? – Anregungen zu einer kritischen Reflexion der bildungspolitischen Beurteilung menschlicher Fähigkeiten aus der Sicht der Arbeitssoziologie. Entnommen aus: http://nakif.de/indes.php?main:veroeffentlichungen

Kocyba, H., 1999: Wissensbasierte Selbststeuerung: Die Wissensgesellschaft als arbeitspolitisches Kontrollszenario, in: W. Konrad, W. Schumm (Hrsg.), Wissen und Arbeit. Neue Konturen der Wissensarbeit, S. 92 – 119: Münster

Miegel, Meinhard, 2001: Von der Arbeitskraft zum Wissen. Merkmale einer gesellschaftlichen Revolution, in: Merkus, 55 (3), S. 203 – 210

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